Vom Flüchtling zum Maßschneider
Als Manu Ibrahim im September 2015 als Flüchtling über Bremen nach Reichenberg in den Landkreis Würzburg und später an den Heuchelhof kam, konnte der damals 28-Jährige weder lesen noch schreiben. Aber er war trotzdem bestens ausgebildeter Fachmann. Glücklicherweise blieb auch den ehrenamtlichen Helfern nicht verborgen, dass der junge Mann mit der Nähmaschine bestens umgehen konnte.
„Es war unglaublich“, berichtet Christiane Kerner, die Manu unter ihre Fittiche nahm. „Wir bekamen damals beispielsweise lauter T-Shirts in Größe XL gespendet. Er hat eines genommen, den mit den Augen taxiert, der es bekommen sollte, das Shirt zurechtgeschnitten und zusammengenäht – und es passte wie angegossen.“
Leidenschaft zum Beruf
Jetzt macht Schneider Manu seine Passion auch in Deutschland zum Beruf. Schon in seiner syrischen Heimatstadt Afrin war er Modellschneider. Im Jahr 2001, im Alter von 15 Jahren, erlernte er die Schneiderei im Betrieb seines Bruders. Von 2003 bis 2006 vervollständigte er im Libanon seine Kenntnisse und machte sich 2010 selbstständig. 2013 arbeitete er in Istanbul, bis es ihn wieder in die Heimat zog. Doch dort wurde das Arbeiten unmöglich.
Das ist in Deutschland zum Glück anders. In der Karmelitenstraße 33 eröffnete er nun seine Schneiderei unter dem Motto „Vom Reißverschluss bis zur Maßanfertigung“. Auf eigene Faust hat der Familienvater den Ladenraum gesucht und sich in der Würzburger Schneiderszene einen Namen gemacht.
Geschickt mit Nadel & Faden
Erste Aufträge für Großkunden wie Würzburger Boutiquen hat er schon an Land gezogen. Von Kleidung für Männer, Frauen und Kinder bis hin zu Haustextilien hat er alles im Repertoire. Ob aus Hosen Röcke nähen, Lieblingskleider und Kostüme schneidern oder ein neues Outfit für die Wohnzimmercouch anfertigen – kein Problem für Manu Ibrahim.